Reizvolles Erbe aus alten Zeiten

Stadtmauer, Wiekhäuser und Wallanlage im Spiegel von Autoren

Die gotischen Tore und die Stadtmauer mit ihren romantischen Wiekhäusern haben Neubrandenburg einst den vom Fremdenverkehr geprägten Ruf “ Rothenburg des Nordens “ zu sein eingebracht. Rothenburg ob der Tauber galt und gilt als das Beispiel für ein mittelalterliches Stadtbild. Reiseschriftsteller Heinz Glade wehrte sich 1972 (auftragsgemäß?) vorsichtig gegen den Vergleich mit der bayrischen Kreisstadt. “ Im ersten Anflug waren wir geneigt, ihn als Titel zu akzeptieren. Die erhaltenen und zum großen Teil restaurierten mittelalterlichen Ringmauern, Stadttore und Wiekhäuser mögen den Vergleich rechtfertigen. Doch dann kamen uns bedenken.”.

Neubrandenburg wäre, so Glade in seinen Skizzen aus Mecklenburg und Brandenburg, über das hinausgewachsen, was an Rothenburg erinnern könnte. Nach mehr als 80-prozentiger Zerstörung und Wiederaufbau des Stadtzentrums in den 50er und 60er Jahren stimmt das. Doch was bestimmt Neubrandenburg und Rothenburg? Die Geschlossenheit der Stadtbefestigung.

Für Neubrandenburg ist im 200 herausgegebenen Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler zu lesen: “Im Gebiet des Backsteinbaues das am vollständigsten erhaltene Beispiel einer mittelalterlichen Stadtbefestigung.” Georg Christian Friedrich Lisch, der Humboldt Mecklenburgs, schrieb schon vor mehr als 130 Jahre vorher davon. “Diese Bauwerke geben den besten Beweis von der Bedeutsamkeit der Stadt während des Mittelalters... die Mauer mit ihren vielen Warten oder Wieckhäusern zeugen noch wie selten an einem anderen Orte, von der Wehrhaftigkeit der Einwohner.” Deren Schönheit fiel etwa zur gleichen Zeit dem Maler Carl Gustav Carus auf. “Die ganze Örtlichkeit hat mir einen tiefen Eindruck hinterlassen... schon die kleine Stadt selbst, mit ihren eichenbepflanzten Wall, ihren hohen, stattlichen, im reichen gotischen Stil verzierten Toren, an deren roten Backsteinmauerwerk hier und da wuchernde Fliederbüsche die besten Bilder geben, überall zum Zeichnen einladend...”

Bericht entnommen: Neubrandenburger Innenstadt-Magazin „Helmut Borth“

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